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Einweihung des Ruth-Lindenbaum-Platzes am neuen Schulzentrum Hertinger Tor

Familie Lindenbaum kommt aus den USA nach Unna zur Festveranstaltung

© 2025│Christoph Hoestermann│Unna

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Seit den 1920-iger Jahren führte die Familie Lindenbaum ein Bekleidungsgeschäft in der Massener Strasse 3. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten mussten sie das Geschäft aufgeben. Am 28. Oktober 1938 wurde die gesamte Familie auf einem Transport nach Polen deportiert. Zur Familie gehörten die Eltern Otto und Frieda sowie ihre 3 Kinder Ruth, Siegfried und Manfred. Auf einem „Kindertransport“ per Schiff nach England waren für die Familie nur zwei Plätze verfügbar, woraufhin Ruth zugunsten ihrer jüngeren Brüder verzichtete, was den beiden das Leben rettete. Sie selbst wurde zusammen mit den Eltern in das Konzentrationslager Majdanek deportiert. Eine Postkarte aus dem dortigen Lager war ihr letztes Lebenszeichen. Die Brüder konnten später in die USA emigrieren und sich dort ein neues Leben aufbauen. Jahrzehnte später machte sich Manfred Lindenbaum, der jüngste der Geschwister, auf die Suche nach seiner verschollenen Schwester, der er durch ihre Selbstlosigkeit sein Leben zu verdanken hatte. Exakt 87 Jahre nach dem Tag der Deportation aus Unna reiste er, zusammen mit weiteren 25 Mitgliedern seiner weit verzweigten Familie, nach Unna, auf Einladung der Stadt um am 28. Oktober 2025 an der Einweihung des Rith-Lindenbaum-Platzes am neuen Schulzentrum Hertinger Tor teilzunehmen. 

Es war ein verregneter Oktobertag, als zunächst in einer bewegenden Veranstaltung in der Aula des neuen Schulzentrums an Ruth Lindenbaum erinnert wurde. Schülerinnen und Schüler der Grundschulklassen zeigten Musik- und Textbeiträge, Familienmitglieder der Lindenbaums, insbesondere der 93-jährige Manfred würdigten ihre Schwester mit sehr persönlichen Redebeiträgen. Weitere Reden, z.B. eine ebenfalls sehr berührende von Claudia Keuchel, langjährige Vorsitzende der Ratsfraktion von Bündnis 90/Grüne, die sehr gelungen den Spannungsbogen vom Persönlichen zum Historischen darstellte. 

Anschließend ging es hinaus in den Regen, und mit weiteren kurzen Redebeiträgen u.a. von Bürgermeister Dirk Wigant wurde feierlich – unter großem Applaus der Anwesenden –  das Straßenschild des neuen Ruth-Lindenbaum-Platzes enthüllt. 

In den Worten und Gesten der Familie Lindenbaum spürt man das bewundernswerte Angebot zur Versöhnung an die Nachfahren der Täter und an dem Ort, der ehemals ihre Heimat gewesen war. 

Der weitere Tagesablauf wurde von Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde      ha Kochaw in Unna-Massen und Vertretern des Freundeskreises gestaltet. Nach einem gemeinsamen Mittagessen in den Räumen der Gemeinde wurde die Ausstellung im Hellweg-Museum sowie der Jüdische Friedhof besucht. 

Den Ausklang dieses bewegenden Gedenktages bildete ein gemütliches Beisammensein im Restaurant Meisterhaus mit weiterem gegenseitigen Austausch und gutem Essen.